Der Runkeler Hochzeitstaler von 1762

Anlass zur Prägung des Runkeler Hochzeitstalers war die Hochzeit des Grafen Christian Ludwig von Wied-Runkel mit Charlotte Sophia Augusta von Sayn-Wittgenstein-Sayn am 23. Juni 1762. Im Original wurde dieser Ausbeutetaler in nur 102 Exemplaren geschlagen und ist, da er als Zahlungsmittel nie im Umlauf kam, von größter Seltenheit.

Interessant ist, dass die Prägung erst im Jahre 1767, also lange nach der Vermählung, ausgeführt wurde. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass Wied-Runkel bereits 1759 seine eigene Prägetätigkeit eingestellt hatte. Der Taler wurde von dem Stempelschneider Christ. Schepp, der auch den Mehlbacher Gulden 1750 angefertigt hatte, in Frankfurt geprägt. Als zweites Kuriosum kann vermerkt werden, dass das verwendete Silber zwar von der Weyerer Gewerkschaft über den Bankier Vorstad in Frankfurt geliefert wurde, aber nicht aus den in den Weyerer Gruben geförderten und verschmolzenen Erzen stammte. Die Grube war 1767 nicht in Betrieb, da das Wasser, das die Pumpenkunst betrieb, eingefroren war und deshalb keine Erze gefördert werden konnten. So lieferte die Weyerer Gewerkschaft zwar das Silber nach Frankfurt – die Randschrift „Ex Hodinis Weyerensibus“ (aus Gruben in Weyer) ist jedoch nicht ganz zutreffend. Die Prägung wurde zwar durch die Weyerer Gruben und ihre Erträge angeregt und finanziert, das Silber dafür wurde von ihnen jedoch nicht gefördert.

Auf der Vorderseite des Talers sieht man die Brustbilder des Jungen Paares und ihre Namen: „Christ: Lud: Com(es) & Wed (Wied): Isenb (urgi) & Crich (ingiae = Kriechingen) – Charl: Soph: Aug: Com (itissa): Sayn & Wittg“. Die links und rechts unten stehenden Buchstaben S und F bedeuten Schepp (Stempelschneider) und Frankfurt (Prägestätte).

Die Umschrift auf der Rückseite nennt den Anlass der Prägung: „In Memoriam Felicissimi Matrimonii XXIII. Jun. MDCCLXII.“ (zur Erinnerung an die sehr glückliche Vermählung am 23.06.1762). Das Bild der Rückseite zeigt die mächtige Burg Runkel mit der um 1440 erbauten Lahnbrücke. Die Pfarrkirche vor der Burg erkennt man am Dachreiter auf dem Chordach. Rechts davon steht ein Turm mit Glockendach, der zur Stadtbefestigung gehört. Auf der gegenüberliegenden Lahnseite erkennt man die Burg Schadeck. Am oberen Rand kennzeichnet der Name Weyer, sowohl das im Tal liegende Dorf mit seiner Kirche, als auch die auf der Höhe sichtbare Grube „Alte Hoffnung“, auch das „Weyerer Werk“ genannt. Der einmännisch bediente Haspel soll den Kunstschacht, das danebenstehende Gebäude mit Kamin die Hütte darstellen.

Die Bedeutung des Weyerer Bergbaus geht daraus hervor, dass sich das gräfliche Brautpaar „im Jahre des Heils 1762 am 23. Tag des Brachmonats die hohe Vermählung“ in Weyer vollzogen wurde.