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alte Weyrer Sippen und Familiennamen

Das Kammerrat Schmidtsche
Haus atmet Geschichte

 

Von Lydia Aumüller

 

Mehr als 300 Jahre altes Gebäude in Weyer hat viel zu
erzählen

Zu den historisch interessantesten Gebäuden in Weyer gehört
das sogenannte „Kammerrat Schmidtsche Haus“, das mit großem finanziellen Aufwand saniert wurde.

 

Villmar-Weyer/Runkel.

Vermutlich über 300 Jahre alt ist das sogenannte „Kammerrat
Schmidtsche“ Haus in der Laubusstraße 4. Der Initiative der Familie Otto und Edith Kübel aus Wiesbaden ist es zu verdanken, dass dieses historischen Gebäude
erhalten ist. Sie haben das Haus 1977 erworben und mit beträchtlichen
finanziellen Mitteln in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde Wiesbaden über
Jahre zu einem Schmuckstück restauriert. Bilddokumente belegen, dass das ursprüngliche Fachwerk vollständig unter Putz versteckt lag und freigelegt wurde.

Bauliche Veränderungen

Bemerkenswert ist, dass dieses Gebäude 300 Jahre lang im
Volksmund den Namen seines ehemaligen Bewohners Johann Anton Schmidt behielt.
Dies spricht für seine bis heute dominierende Persönlichkeit. Auch vier
Marmor-denkmäler aus dem 18. Jahrhundert, angebracht in und um die Weyerer
Kirche, erinnern an die Familie des Kammer- und Forstrats Johann Anton Schmidt.

Der ehemals wohl herrschaftlich Runkelische Pachthof
wechselte mehrmals die Eigentümer, die bauliche Veränderungen vornahmen. So
wurden die alte Zehntscheune abgerissen und neue Stallungen errichtet. 1896
errichtete Landwirt Christian Höpp II. eine neue Remise und einen Schweinestall
und erneuerte die desolate Umfassungsmauer an der Scheune. 1898 beantragte er
die Genehmigung zum Bau eines neuen Schornsteins in das zweigeschossige
Wohnhaus, wie es die damalige Bauverordnung verlangte. Ab 1932 war Karl Hahn der Besitzer des Anwesen. Er sah sich 1947 genötigt, die eingefallene
Jauchegrube zu erneuern. Schließlich hatte eine Erbengemeinschaft das Sagen und
veräußerte das Anwesen 1977 an die heutigen Eigentümer.

Interessante Eintragungen im Weyer Kirchenbuch wurden jetzt
mit Unterstützung der Weyerer Familienforscherin Rita Schneider zutage
gefördert. Johann Anton Schmidt erblickte am 4. Oktober 1692 als Sohn des Fürstlich Diezischen Schultheißen das Licht der Welt. Er kam als
Hüttenverwalter nach Weyer in den damals bedeutendsten Betrieb der Blei- und Silbergruben „Alte Hoffnung“. Schmidt wurde Jagd- und Forstsekretär und zuletzt Kammer- und Forstrat des Grafen zu Wied-Runkel. Mit 21 Jahren heiratete er am
6. Dezember 1713 die 14-jährige Juliane Elisabeth Hepp (geb. 20. 3. 1699), eine Tochter des Weyerer Schultheißen Joh. Wilhelm Hepp und fungierte nach dessen Tode als Schultheiß und später als Oberschultheiß. In den Jahren von 1716 bis
1739 gebar ihm seine Gattin 13 Kinder, von denen acht verstarben. Der 1725 geborene Sohn Johann Theobald trat beruflich in die Fußstapfen des Vater und wurde 1753 als Hofrat und Amtmann erwähnt. Am 15. Mai 1743 verstarb Juliane Elisabeth Schmidt. Ihr Gatte Johann Anton folgte am 10. März 1759 und wurde am 13. März in Weyer beerdigt.

Gräfliche Vermählung

Nach dem Tode des J. A. Schmidt fand in diesem Hause 1762
die Hochzeit des Grafen Christian Ludwig von Wied-Runkel mit Charlotte Sophia Augusta von Sayn-Wittgenstein-Sayn statt. Wie bisher angenommen, sollte eine diesbezügliche Eintragung im Weyer /Münsterer Kirchenbuch verbrieft sein, die
allerdings der heute amtierende evangelische Pfarrer Rudolf Hahn vergeblich suchte. Kein Wunder, denn nach Recherchen der Autorin hielt 1762 der damalige Runkeler Pfarrer diese Trauung im Runkeler Kirchenbuch fest:

„Weyer Am 23ten juni dieses Jahres wurde der Hochgebohrene
unser gnädigster Graf und Herr Christian Ludwig, mit der gleichfalls
Hochgebohrenen Gräfin Charlotte, Sophie, Auguste zu Sayn und Wittgenstein von mir, dem inspectore (Anm.: Dekan - L.A.), zu Weyer mit vielen frohlocken dasiger Gemeinde glücklich vermälet. Gott gebe Hochdenenselben vielen auserwählten Seegen! Amen!“

Vergleicht man weitere Eintragungen Runkeler Bürger im
Kirchenbuch, so ist die gräfliche Trauungsurkunde erstaunlich knapp gehalten. Offen bleibt, warum die Vermählung in Weyer im Haus des Churpfälzischen Hofrats Bernard, dem Nachfolger des verstorbenen Kammer- und Forstrat Schmidt, und nicht in der Runkeler Kirche vollzogen wurde. Bernard war der damalige
Betreiber des Weyerer Blei- und Silberwerks „Kunstschacht“. Dies lässt auf eine enge Beziehung des Grafen zum Bergbau schließen. Eine größere Vermählungsfeierlichkeit des gräflichen Paares dürfte wohl wegen des Todes des Vaters am 18. Mai 1762 unterblieben sein. Erst fünf Jahre später wurde ein
„Hochzeitstaler“ geschlagen (102 Exemplare), der auf der Vorderseite das Porträt des Brautpaares und ihre Namen trägt. 1975 wurde der Hochzeitstaler nachgeprägt.